Was die Kinder alles können!

Bei einem dreistündigen Jubiläums-Varieté des Wiedtal-Gymnasiums präsentierten sich in der Wiedparkhalle viele junge Talente

Nach den persönlichen Erinnerungen beim großen Ehemaligenfest im April und der offiziellen Würdigung von fünf erfolgreichen Jahrzehnten Schulgeschichte Mitte Mai stand nun am Freitag, 29. Mai, die aktuelle Schülerschaft ganz im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.  

Organisiert von Nathalie Katthagen mit Unterstützung durch Anne Ditter, Sandra Schützeichel und Mitglieder des Fördervereins bot der Abend eine Vielfalt an Darbietungen in lockerer Folge. Das Spektrum der Künste reichte von A wie Akrobatik bis T wie Tanz oder Theater und nahezu alle Jahrgangsstufen waren vertreten. Hiva Rashid (MSS 11) und Lennart Mecklenburg (10b) führten souverän durch das Programm.

Wie könnte es in unserer Gegend auch anders sein, lag der Schwerpunkt eindeutig auf Musik und Tanz. Phoenix Band und Chor, unter Leitung von Jan Lebenstedt und Mirjam Bundt, brachten das Publikum gleich zu Beginn mit zwei Songs in eine fröhliche Stimmung, die durch ein lustiges kleines Theaterstück der Klasse 5a, musikalisch begleitet von Michael Bruchmann-Reiszig, noch gesteigert wurde.

Erstaunen und Wogen der Begeisterung lösten besonders die Teilnehmerinnen der Zirkus-AG und der Tanz-AG aus, die mit insgesamt acht Beiträgen einen großen Teil des Programms bestritten. Beide Arbeitsgemeinschaften wurden von Diana Küll 25 Jahre lang mit Leidenschaft und unter großem persönlichem Einsatz geleitet. Die Turnerinnen bewiesen ihre Körperbeherrschung durch atemberaubende Übungen an Luftringen und Vertikaltuch. Und unter dem Titel „Evolution of Dance“  ließen die Tänzerinnen „50 Jahre Tanzgeschichte“ Revue passieren. Mitgerissen von den bekannten und allseits beliebten Liedern und Tänzen stimmte das Publikum begeistert in Gesang und Bewegung mit ein.

Einen „Himmel voller Sterne“ evozierten Schülerinnen der Klasse 8d durch ihren Tanz mit dem Ball, einstudiert unter Anleitung von Simone Wald, deren Sportkurs der MSS 11 außerdem eine lyrische Tanzperformance mit dem Titel „Birds of a Feather“ präsentierte. Besinnlichere und ernstere Töne stimmten ebenfalls die beiden Solisten am Klavier, Simon Rams und Marlene Mirus, an. Marlene Mirus interpretierte gekonnt das anspruchsvolle und äußerst populäre Stück „Experience“ von Ludovico Einaudi, das von der Geschichte einesÜberlebenskampfes in der Migration und der Zukunftshoffnung des Individuums inspiriert sein soll.

Diese beiden Themen – erzwungene Migration und Zukunftsperspektiven – fanden sich wieder in den Poetry-Slam-Beiträgen von Enne Geck und Judi Rashid. Initiiert von Sarah Busch im Leistungskurs Sozialkunde der MSS 12, hatten sie sich darüber Gedanken gemacht,  was ihnen Europa persönlich bedeutet. Enne Gecks Forderung im Namen der jungen Generation lautete, dass man ihnen die Chance auf eine gute Zukunft geben möge. Dies ging dem Publikum ebenso sichtlich unter die Haut wie Judi Rashids bewegendes Bekenntnis zu Deutschland und Europa: „Heimatlos – und trotzdem zuhause“. Auf ihre Schlussverse „Fragt mich nicht, ob ich zurückgehe. Fragt euch lieber, warum Menschen fliehen mussten“ und „Ich bleibe. Weil Heimat dort ist, wo ich keine Angst habe, ich selbst zu sein“ reagierte das Publikum mit stehendem Applaus.

Zum Thema Zukunft, die man auch ein Stück weit selbst in die Hand nehmen kann, gab es einen Beitrag von Laura Schopny (MSS 12) mit dem Titel „We make a difference!“ über die Ziele und bisherigen Erfolge von Bennis Waldschützer*innen. Und dass Solidarität mit Geflüchteten und Menschen in Not kein Lippenbekenntnis bleiben darf, wurde in einem Sketch der Kleinen Theater-AG humorvoll zur Sprache gebracht, ebenso wie das verbreitete Klischee vom Politiker in dem amerikanischen Sketch: „Useless but High Paying“. Die AG leitet Waltraud Strickhausen.

Professioneller ging es natürlich zu bei der Darbietung des in diesem Schuljahr erstmalig von Tim Ludwig angebotenen Grundkurses „Darstellendes Spiel“. Die Teilnehmenden zeigten die erlernten Schauspieltechniken in einer selbst entworfenen Inszenierung, deren Anspielungen auf bekannte Filme das Publikum mit ihrem Wiedererkennungswert erfreuten. Den fulminanten Abschluss des Abends bereiteten die frischgebackenen Abiturienten Svenja Buchholz und Alexander Gatz mit ihrem Tanz aus „Dirty Dancing“.

Alles dies wäre nicht möglich gewesen ohne viele helfende Hände, namentlich die von Andreas Rams von der Ortsgemeinde Neustadt, die wieder einmal ihre Wiedparkhalle kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Die technische Begleitung eines so großen Projekts mit so vielen verschiedenen Beiträgen verlangte den Mitgliedern des Phoenix-Technik-Teams unter Leitung von Tim Ludwig ihr ganzes Können ab – und eine mehrwöchige Vorbereitung. Für das leibliche Wohl sorgten Mitglieder des Fördervereins, die Organisatorinnen mit Süßigkeiten und Silke Schreibers Nachhaltigkeits-AG mit selbstgemachtem Popcorn.

Fotos: Jan Lehmann, Thorsten Mehlfeldt, Jonas Ludwig

Text: Waltraud Strickhausen