Neustadt (Wied). Am 26.06.2026, dem letzten Tag des alten Schuljahres, fand die feierliche Aufnahme des Wiedtal-Gymnasiums in das bundesweite Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ statt. Dazu angereist waren Pierre-Marc Hartenfels als regionaler Koordinator des Netzwerks sowie Mitglieder der Bonner Band „Druckluft“, deren Trompeter Timm Adams die Patenschaft des Projekts am WTG übernommen hat. Bereits im Schuljahr 2024/25 hatte die damalige Schülervertretung eine Abstimmung der gesamten Schulgemeinschaft initiiert, die eine Zustimmungsrate von rund 80 Prozent erbrachte.
Eine Selbstverpflichtung bedeutet diese Mitgliedschaft. Und zwar die Verpflichtung dazu, „sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen“. Über das hinaus, was inhaltlich und pädagogisch im Schulalltag bereits geleistet wird, soll sie zu einer verstärkten Bewusstmachung von diskriminierendem Verhalten führen und damit zu einem Schulklima beitragen, in dem jedwede Form von Ausgrenzung und Gewalt gegen Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion keinen Platz hat.
Moderiert wurde die Veranstaltung vom früheren SV-Sprecher-Team Emilia Deutsch, Sophie Röser und Ben Stümper. Sie dankten allen Schülerinnen und Schülern noch einmal für die breite Befürwortung des Projekts. Diesem Dank schloss sich Schulleiter Thorsten Mehlfeldt an. Er lobte die Initiative von Seiten der Schülerschaft und betonte, wie notwendig ein solches Engagement sei. Die Paten sicherten ihre Unterstützung zu. Und Enne Geck und Judi Rashid (beide jetzt MSS 13) trugen nochmals ihre Poetry-Slam-Beiträge vor, in denen es um ihre persönliche Sicht auf Europa geht.
Die Kurdin Judi Rashid thematisiert die Erfahrung, fast täglich auf eine Rückkehr nach Syrien angesprochen zu werden, in ein Land, wo es für ihre Familie so etwas wie Schutz, Freiheit und das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht gegeben hatte: „Europa ist für mich ein Licht. Ein Licht, das sagt: Du darfst hier leben. Du darfst hier sprechen. Du darfst hier du selbst sein.“ Dass all dies auch in Europa und speziell in Deutschland nicht immer so war, zeigt eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Auf der Flucht vor meinen Landsleuten“ − nach einer Gedichtzeile von Bertolt Brecht. Sie präsentiert Werke des deutschsprachigen Exils und der Shoa und wurde vom jetzigen Deutschkurs 13D1 mit Unterstützung der Klasse 10d im zurückliegenden Schuljahr erarbeitet.
Im neuen Schuljahr wird eine AG „Schule mit Courage“ angeboten. Sich bewusst zu machen, wie wertvoll die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft ist, soll das Ziel der Arbeitsgruppe sein. Sie soll Raum geben für ein gemeinsames Nachdenken über unterschiedliche Formen von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt, die uns konkret in unserer Lebenswelt begegnen, und über mögliche Strategien, wie wir darauf reagieren können. Anknüpfend an den Besuch des Antisemitismusforschers Lennart Schmidt von der Universität Trier im Februar 2026 ist ein weiteres Projekt, Expertinnen und Experten wie auch Angehörige anderer Religionen und Kulturen in die Schule einzuladen, um die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch und Austausch zu schaffen.
Im Verlauf der Feierstunde wurde außerdem eine beim Schulfest befüllte Zeitkapsel symbolträchtig auf dem Schulgelände vergraben. Die Vorbereitung dieser Aktion hatte die Klasse 8a unter Leitung von Anna-Lena Fischer und Agnes Benack übernommen.

